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Allgemein · Sportregion

Is dat Sport, or kunn dat weeg?

22. November 2018

Niklas Timmermann war am Montag zu Gast beim Stadtsportbund Oldenburg e.V. und stand Rede und Antwort zum Thema eSport. Weltmeister im Rennsimulationsspiel Need for Speed, Gründungsmitglied des eSport-Bund Deutschland (ESBD), Jurist und Unternehmensberater mit Schwerpunkt eSport. Viel mehr Experte geht wohl nicht. Zunächst grenzte Timmermann eSport vom Gaming ab. Wenn du gerade Candy Crush spielst, während du diesen Artikel liest, bist du einer von 35 Millionen Gamern in Deutschland. ESport ist nur ein kleiner Bereich hiervon, der ca. 8 Millionen Deutsche umfasst. Dabei geht es um einen Wettkampf, in dem zwei Kontrahenten unter „Waffengleichheit“ um den Sieg ringen.

 

LEAGUE OF LEGENDS VS. FIFA

Schnell entbrannte die Diskussion: ist eSports Sport oder nicht? Der DOSB brachte dazu vor kurzem eine Positionierung heraus. Hier wird unterschieden zwischen elektronischen Sportartensimulationen (z.B. FIFA) und „eGaming“ (z.B. League of Legends). Beide Formen werden kritisch beäugt, wobei der DOSB den Sportartensimulationen aufgeschlossener gegenübertritt. Diskussionsthemen sind unter anderem Gesundheitsaspekte, ethische Werte des Sports oder die kommerzielle Seite des eSport. Timmermann kann die Auffassungen des DOSB nicht nachvollziehen. Die Sportartensimulationen sind ein ganz kleiner Teil des eSport. Außerdem ist er der Teil, der am weitesten weg vom eigentlichen Sportgedanken ist. Es wird elektronisch einer Sportart nachgegangen, die man genauso gut traditionell machen kann. Und dies im eSport auch noch meistens alleine. Spiele, die der DOSB unter „eGaming“ versteht und ablehnend gegenübertritt, sind virtuelle Welten, in denen man als Team verschiedene Herausforderungen meistert. Hier finden sich taktische und soziale Komponenten wieder, die man so auch im traditionellen Sport findet.

 

GESUNDHEIT IST MEHR ALS KÖRPERLICHE FITNESS

Es ist nicht wegzudiskutieren, dass sich beim Zocken an der Konsole nicht viel bewegt wird. Man darf allerdings nicht den Fehler machen und Gesundheit mit Bewegung gleichsetzen. Es gibt durchaus physiologische Aspekte beim eSport die positiv zu bewerten sind: hohe Herzfrequenzen, starke kognitive Leistungen und schnelle Reaktionsfähigkeit. Doch Gesundheit ist mehr. Die soziale Komponente, die schon damals auf LAN-Partys beobachtet werden konnte, spielt eine genauso starke Rolle wie der psychische Aspekt. Junge Leute, die den Sportunterricht in der Schule als Qual verstanden haben, können im eSport auch eine neue Form der Bestätigung und Anerkennung finden. Die gesundheitliche Betrachtung findet wenig Argumente gegen eSport, die man nicht auch im traditionellen Sport finden würde. So könnte der eSport neben der allgemeinen Bewegung ein Puzzlestein in einem gesunden Lebensstil sein.

 

MORALISCHE WERTVORSTELLUNG

Gerade Eltern äußern immer wieder die Angst, dass ihre Kinder gewaltverherrlichende Spiele spielen. Nicht umsonst haben viele Spiele Altersbeschränkungen, die auch unbedingt eingehalten werden sollen. „Verharmlosend kann man sagen, dass bei Shootern Pixel umfallen, die wenige Momente später wieder aufstehen. Kampfsportarten wie z.B. Boxen haben da einen direkteren Zugang zu Gewalt als Shooter.“ Man kann das „Spiel des für und wider“ unendlich fortsetzen. Wir müssen allerdings nicht entscheiden, ob eSports ein Sport ist oder nicht, sondern haben uns an die Bestimmungen des DOSB zu halten. Vielmehr sollte man sich eine andere Frage stellen:

 

WIE KÖNNEN WIR ESPORTS FÜR DIE VEREINSENTWICKLUNG NUTZEN?

Das Jugendzentrum Stellwerk aus unserer Sportregion zeigt, wie es funktionieren kann. Die Betreuer dort berichten: „Seitdem wir Konsolen angeschafft haben, kommen die Kinder wieder zu uns. Es spielen ja pro Konsole immer nur zwei Kinder gegeneinander. Während die anderen warten, können wir mit Ihnen draußen bolzen, basteln oder einfach reden.“ Und das könnte der Ansatz sein: Über Angebote wie eSports die Kinder ins Vereinsumfeld zu kriegen, um dort auch die traditionellen Vereinsangebote zu bewerben. Der TSV Oftersheim zeigt schon seit 2016 wie es gehen kann. Aus einer eSport-Abteilung haben sich Angebote wie „Mensch + Maus“ entwickelt. Ratlose Bürger können sich an junge Vereinsmitglieder wenden, wenn sie Fragen zum Thema Computer oder Handy haben (schaut hier).

 

Auf der einen Seite gibt es viele offene Fragen zu klären, auch nach satzungstechnischen Hürden. Auf der anderen Seite jedoch stehen die Chancen, die uns die Digitalisierung für unsere Vereinsarbeit bereithält. Lasst uns die Chancen nutzen!

In diesem Sinne: eine schönes Wochenende!

Vamos! Euer Hergen

 

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h.froehlich@sportregion-aow.de
Bildquelle: Danke an das Jugendzentrum Stellwerk!

 

Hergen Fröhlich

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